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Gedanken zu Geburt, Mindset, Social Media und Internet...

vor einiger Zeit wünschte sich eine knapp über 20 Jährige Frau einen geplanten Kaiserschnitt ohne jede medizinische Indikation.  Grundsätzlich ist das ihre Entscheidung aber ihre Begründung hat mich erschreckt. Sie erzählte mir nämlich, dass sie sich sehr gründlich über Instagram und Tik Tok informiert hätte.  Ich muss diese junge, durchaus nicht dumme, Frau mit riesigen Augen angeschaut haben, so schockiert war ich über diese Aussage. Im weiteren Gespräch ergab sich, dass sie sehr viele Berichte über traumatische Geburten und noch mehr Berichte über gute Kaiserschnitte gesehen hat. Dies brachte sie zu der Annahme, dass ein Kaiserschnitt der bessere und leichtere Weg ist ein Kind zu bekommen.  Trotz  aller Information und Erklärung der Risiken konnte ich sie leider nicht davon überzeugen zumindest die Spontangeburt zu versuchen und ggf. auf einen Kaiserschnitt umzuschwenken, wenn sie merkt, dass es wirklich nicht für sie geht. OK :"Ihr Körper, ihre Entscheidung!". Ich gebe zu, dass ich immer mal wieder den Drang verspüre  Frauen vor einem Kaiserschnitt ohne Grund beschützen zu wollen, weil er sich oft viel zu leicht und einfach vorgestellt wird und er durchaus häufiger langfristige Folgen für Mutter und Kind hat als eine Spontangeburt.
Sie bekam natürlich ihren Kaiserschnitt obwohl die Voraussetzungen für eine natürliche Geburt hervorragend waren (der Muttermund war schon ohne spürbare Wehen einige cm eröffnet und das Kind lag ideal) Solange die Narkose  nach dem Kaiserschnitt wirkte, war die Frau zufrieden aber als die Wirkung nachließ  war sie absolut schockiert darüber, dass es so sehr weh tat. Tagelang fühlte sich  die junge Frau nicht in der Lage aufzustehen, sie hatte sich alles ganz anders vorgestellt und bedauerte ihre Entscheidung sehr. Zudem stellten sich auch noch Komplikationen in der Wundheilung ein.

Manchmal möchte ich einfach sagen: "ich habe doch versucht es dir zu erklären, Du wolltest es aber so haben. weil Du den Informationen aus Sozial Media mehr Vertraut hast als den Menschen, die täglich damit zu tun haben. Bitte akzeptiere jetzt Deine Entscheidung und mache das Beste daraus." 


Dies ist nur einer von vielen Fällen klassischer Fehlinformation über eine Internet-Bubble. 

Denkt bitte an die Algorithmen, die dazu führen, dass wir immer wieder das gezeigt bekommen von dem das System meint, dass wir es wollen? 
Ein Beispiel: Ich habe mal für eine mittelalterliche Darstellung nach Nonnengewandungen / Kleidung Nonne des 12 Jahrhunderts gesucht. Seit dem werden mir ständig Einkleidungen junger Novizinnen und Profess-Videos verschiedenster Klöster auf der ganzen Welt gezeigt. Ich bin weder katholisch und es interessiert mich auch in überhaupt nicht, dennoch erscheint es immer wieder in meinem social Media Verlauf. Wenn Du also Geburt eingibst und die ersten Videos siehst, wird Dir immer wieder ähnliches vorgeschlagen. Dass heißt Du siehst immer wieder das, was Du erwartest und das, was Du zufällig zuerst öfter angeschaut hast.  
Ein Weiteres Beispiel:
Der Hebammenprotest vor einigen Wochen schien mir in Social Media allgegenwärtig. Jeden Tag neue Berichte und Reels. Aber die Tochter unseres Bauern im Dorf hat davon noch nie etwas gehört. Das macht einem bewusst unterschiedlich das ist, was wir gezeigt bekommen.
Im Internet tobt sich jeder aus, schreibt Berichte und Erfahrungen über Geburt und diese werden ungefiltert verbreitet. Oft sind Aussagen fehlerhaft,  voll von Halbwissen  oder sehr persönlich gefärbt.
Gerade Geburt ist zum Großen Teil persönliche Wahrnehmung und individuelle Situation. Beeinflusst vom  Intellekt, der Emotionslage und dem sozialen Stand und vielen weiteren Besonderheiten der Persönlichkeit der jeweiligen Person. 
Gefühlt gibt es  nur noch die Geburt durch die rosarote Brille oder das Geburtstrauma. Je nachdem in welche Bubble man gerät, erhält man bekommt man dann seine "Vorstellung" von Geburt.

Ein Kind auf die Welt zu bringen ist eine sehr persönliche Grenzerfahrung, deren Empfinden sehr viel mit dem eigenen Mindset zu tun hat. 
UND JA! Geburt tut weh!
Die Wahrnehmung des Schmerzes ist sehr individuell und es gibt viele Möglichkeiten zu helfen, wenn die Frau nicht mehr weiter kommt. Aber wir, die wir bei einer Geburt helfen,  können nicht den Willen ersetzen durch eine Geburt, egal in welcher Form, durchgehen zu wollen.
Ich vergleiche das gern mit einer Leistungssportlerin. Wenn eine Marathonläuferin ihr Ziel erreichen will und sie gewinnen will, dann wird sie alles geben, bis zur völligen Erschöpfung, sie überwindet Krämpfe, Schmerzen und Gefühle des Aufgeben Wollens. Sie läuft weiter, weiter und weiter, bis sie ihr Ziel erreicht hat. Sie denkt vielleicht zwischendurch: " ich kann nicht mehr" aber sie schiebt den Gedanken beiseite, weil sie weiß, dass sie gerade einfach nicht weiter machen möchte weil es gerade so schwer ist, sie aber auch weiß, dass sie durchaus noch weiter machen kann, weil sie das Ziel erreichen will und sie in der Lage ist noch viel mehr zu erreichen.  Sie weiß, dass Ihr lauf im Körper und im Kopf stattfindet. Wie könnten sonst neue Rekorde aufgestellt werden?
Januar2026

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